Deutscher Gewerkschaftsbund

19.12.2017
Veranstaltungsdokumentation

"Schöne neue Partnerschaftlichkeit?!"

Ein Workshop des DGB-Projektes "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten!" gemeinsam mit dem Bundesforum Männer

Partnerschaftlichkeit

VFB-Projekt // Sandra Rokahr

Um zu diskutieren, was Betriebe und Verwaltungen tun können, um Familien zu unterstützen, hat das DGB-Projekt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten!" gemeinsam mit dem Bundesforum Männer am 08. Dezember 2017 einen Workshop veranstaltet.

Zusammen mit 35 Gleichstellungsbeauftragten, Betriebs- und Personalrät/innen und weiteren interessierten gleichstellungspolitischen Akteur/innen ging es darum, wie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Unternehmen und Verwaltung ohne Rollenklischees gefördert und umgesetzt werden kann.

In einem Praxisforum am Vormittag diskutierten Jörg Bewersdorf (Gesamtpersonalrat der Berliner Finanzämter), Stefan Conrad (Betriebsrat bei der Telekom AG) und Susanne Schulz (Betriebsrätin bei der Bayer AG). Hier wurde deutlich, dass Betriebs- und Personalratsgremien viele Möglichkeiten haben, sich auch beim Thema Vereinbarkeit für ihre Beschäftigten einzusetzen. So erzählte Susanne Schulz von einer Betriebsvereinbarung, die Beschäftigten ermöglicht, flexibler Zeit für die Pflege von Angehörigen aufzubringen. Die Vereinbarung bietet Möglichkeiten über die gesetzlichen Regelungen hinaus: So sind z.B. die vom Gesetz vorgesehenen 10 Tage Freistellung für eine akute Pflegesituation bei Bayer nicht nur für einen Notfall vorgesehen. Darüber hinaus müssen sie nicht am Stück genommen werden und werden vom Arbeitgeber bezahlt. Ein gutes Beispiel für eine gelungene Betriebsvereinbarung, die nah am Bedarf der Beschäftigten ist!

 

Partnerschaftlichkeit

VFB-Projekt // Sandra Rokahr

Dr. Janine Bernhardt vom Deutschen Jugendinstitut e.V. wies in ihrem Vortrag „Partnerschaftliche Aufteilung von Arbeits- und Elternzeiten“ darauf hin, dass viele Eltern sich eine partnerschaftliche Aufteilung der Aufgaben durchaus wünschen - dem im Weg stehen aber vor allem die jeweiligen finanziellen Möglichkeiten sowie die betrieblichen Rahmenbedingungen.

Auf der betrieblichen Ebene ist es wichtig, Regelungen nicht nur für spezielle Zielgruppen, etwa für Arbeitnehmer/innen mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, zu erstellen. Ziel sei, die Arbeitsnorm insgesamt zu ändern. Die Möglichkeit, Erwerbsarbeit gut mit Privatleben zu vereinbaren, müsse für alle in ihren jeweiligen Lebenssituationen gelten, sei es für Erziehung, Pflege, Bildung, Ehrenamt, Freizeit, Gesundheit oder anderes.

 

 

Partnerschaftlichkeit

VFB-Projekt // Sandra Rokahr

Nachmittags gaben dann parallele Workshops zu partnerschaftlichen Organisationskulturen, Teilung von Pflegeaufgaben und Arbeitszeitflexibilisierung Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur konkreten Strategieplanung. Hier eine Auswahl der Ergebnisse:

  • Besonders das Thema Pflege ist weiterhin ein Tabuthema. Beschäftigte, die (oft plötzlich) vor einer Pflegesituation stehen, brauchen am Arbeitsplatz Verständnis, aber vor allem auch gute Beratung - zur Organisation von Arbeits(aus)zeiten, Finanzierung von Pflegezeit und Familienpflegezeit, zur Bildung von unterstützenden Netzwerken und zum eigenen emotionalen und psychischen Umgang mit der Situation. Hier können Betriebe und Verwaltungen z.B. externe Beratung bezahlen und Führungskräfte zum sensiblen Umgang mit pflegenden Angehörigen schulen. Kollektive Regelungen wie Betriebs- und Dienstvereinbarungen, die individuelle Lösungen fördern, sind wichtig - denn jede Pflegesituation ist anders!
  • Besonders in großen Unternehmen und Verwaltungen werden oft bereits verschiedenste Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf angeboten: damit diese genutzt werden, müssen sie aber auch bekannt gemacht werden. Besonders Führungskräfte sind hier gefragt, ihre Beschäftigten zu informieren und vor allem zu unterstützen! Eine familienbewusste Politik muss gelebt werden - in Betrieben und Verwaltungen gleichermaßen. Auch, damit mehr Männer sich für Teilzeit und Familienaufgaben entscheiden.
  • Männer müssen in Betrieben und Verwaltungen bei Vereinbarkeitsthemen mitgedacht werden. Immer noch nehmen vor allem Frauen Familienaufgaben wie die Betreuung von Kindern und die Pflege von Angehörigen wahr. Langsam, aber stetig werden es mehr Männer: hier müssen Betriebe und Verwaltungen ansetzen und z.B. eine Kultur schaffen, in der auch Männer selbstverständlich Elternzeit nehmen oder für die Pflege von Angehörigen in Teilzeit gehen.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für die engagierten Diskussionen und spannenden Berichte aus der Praxis - wir bleiben dran am Thema!

 

Bildergalerie der Veranstaltung

 

 

 

 

Das Projekt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten!" unterstützt Betriebs- und Personalratsgremien aller Branchen - und das kostenfrei. Mit Workshops, Vorträgen, Beratung und Infomaterialien rund um die Themen Vereinbarkeit und gute Arbeit bieten wir eine gewerkschaftliche Plattform für alle. Sie haben eine Idee für eine gemeinsame Veranstaltung, würden uns gern in Ihr Gremium / auf Ihre Veranstaltung einladen oder haben eine inhaltliche Frage? Kontaktieren Sie uns!


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