Deutscher Gewerkschaftsbund

24.02.2011

Zeitkonten

Seit Mitte der 90er Jahre haben 80% aller Betriebe mit Betriebsräten ein Arbeitszeitkonto eingeführt. Damit sind die gesamten Arbeitszeitstrukturen in Bewegung geraten: Variabilität und Vielfalt der Arbeitszeiten werden zum bestimmenden Gestaltungsprinzip. Mit den Arbeitszeitkonten wächst der Handlungsspielraum für Betriebe wie auch für Beschäftigte. Neuartige Arbeitszeitformen wie Dispositionsschichten, Arbeitszeitkorridore, Wahlarbeitszeiten mit Blockfreizeiten oder Sabbaticals belegen diesen Trend. Einen vorläufigen Endpunkt dieser Entwicklung bilden Vertrauensarbeitszeit und ergebnisorientierte Arbeitszeiten, bei denen die Arbeitszeiten unter weitgehendem Verzicht von Steuerungsmechanismen festlegt werden und die Dauer der Arbeitszeit als fixierte Größe an Bedeutung verliert.

Zeitkonten sind vor allem durch das Management eingeführt worden. Betriebliche Ziele standen dabei im Vordergrund. Marktschwankungen und Anpassungen an unterschiedliche Kundenströme können besser aufgefangen werden. Durch die Anpassung an den betrieblichen Arbeitseinsatz können flexible Arbeitszeiten die Zahl der Beschäftigten beschränken sowie traditionelle Formen des flexiblen Arbeitseinsatzes (Überstunden, Leiharbeit, Befristung, Kurzarbeit usw.) reduzieren oder ergänzen. Bei vorhersehbaren Nachfrageschwankungen lässt sich der Personaleinsatz besser steuern, Kündigungen verhindern und Rekrutierungskosten einsparen. Nicht zuletzt werden durch Zeitkonten die Handlungsmöglichkeiten der Interessenvertretungen beschnitten (Zustimmungspflicht bei Überstunden).
Dennoch haben auch Beschäftigte durch Zeitkonten die Möglichkeit ihre individuellen Zeitbedürfnisse zu realisieren und ihre Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. So können Jahres- und Lebensarbeitszeitkonten dazu genutzt werden, längere Freistellungsphasen (Sabbatical) zu ermöglichen.

Bei der Einrichtung von Arbeitszeitkonten sind folgende Punkte zu beachten:

  • Zugriffsrechte der Beschäftigten auf ihr Zeitguthaben 
  • Mitbestimmung über die Lage verlängerter Arbeitszeiten 
  • Mindestankündigungsfristen bei Arbeitszeitänderungen und Mehrarbeit
  • Höchstarbeitszeiten (pro Tag, Woche, Quartal)
  • Höchstgrenzen für Zeitkontenstände (für Guthaben und Zeitschulden)
  •  Regelungsmodus bei Überschreiten der Höchstgrenzen ohne Guthabenverfall 
  •  Regelungen zur Personalaufstockung bei nicht abbaubaren Guthaben
  •  Neudefinition von Mehrarbeit
  • Flexibilitätsbonus als Zeitzuschlag
  • Verzinsung von Zeitguthaben
  • Entgeltverstetigung
  • Modus für Konfliktregelung
  • Insolvenzsicherung von Langzeitarbeitskonten

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