Deutscher Gewerkschaftsbund

19.07.2018

UNTERSTÜTZUNG VON BESCHÄFTIGTEN MIT SORGEVERANTWORTUNG

Großeltern mit jugendlichem Enkelkind

Colourbox.de

Alle Beschäftigten brauchen ein gutes Zusammenspiel von Beruf und Privatleben. Aber insbesondere KollegInnen, die Angehörige pflegen oder Kinder betreuen, brauchen konkrete und auf sie zugeschnittene Unterstützung.

 

Hier gibt es Hintergrundinformationen zur gesellschaftlichen Verteilung von Sorgearbeit und Ideen zur betrieblichen Unterstützung von Familien:

  • Sorge- und Erwerbsarbeit gleichmäßiger verteilen

    Fürsorgearbeit umfasst die Betreuung von Kindern ebenso wie die Pflege von Angehörigen oder FreundInnen.

    Frauen erbringen dabei den Löwenanteil solch unbezahlter Haus- und Care-Arbeit. Und auch Mütter nehmen zu 96 % Elternzeit in Anspruch, aber nur 29 % der Väter. Nicht anders ist die Geschlechterverteilung bei der Pflege von Angehörigen: Sie wird überwiegend von Töchtern oder Schwiegertöchtern, Ehepartnerin oder Müttern der pflegebedürftigen Person geleistet. Fast zwei Drittel der Pflegenden (65 %) sind Frauen, gut ein Drittel (35 %) sind Männer, so Zahlen aus 2018 des Robert Koch Instituts.

    Die Folgen dieser ungleichen Verteilung von Fürsorgearbeit haben weitreichende Konsequenzen. Sie führen zur ungleichen Nutzung von Teilzeitarbeit: Nur knapp jeder zehnte Mann ist Teilzeit beschäftigt, jedoch fast jede zweite Frau – und das meistens langfristig: Auch wenn die Kinder größer sind, stocken Frauen häufig nicht auf. Das statistische Bundesamt veröffentlichte 2017 die Daten fürs Vorjahr. Demnach gingen durchschnittlich 6 % der erwerbstätigen Väter einer Beschäftigung mit reduzierter Stundenzahl nach. Der wichtigste Grund dafür war das Fehlen einer Vollzeitstelle. Nur 15 % der in Teilzeit beschäftigten Väter gaben die Betreuung von Kindern als Grund für die Reduzierung ihrer Arbeitszeit an.

    In der Vergangenheit haben sich die staatlichen Rahmenbedingungen für Familienfreundlichkeit deutlich verbessert. Zu nennen sind dabei vor allem das neue ElterngeldPlus mit Partnerschaftsbonus oder die Weiterentwicklungen im Pflegezeit- und Familienpflegezeitgesetz.

  • Angebote in Betrieben müssen zu den Lebenslagen passen!

    Auch in Unternehmen hat das Thema an Bedeutung gewonnen. Angetrieben werden diese Entwicklungen einerseits durch die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen, aber auch weil Unternehmen dringend Fachkräfte suchen und erkannt haben, dass eine gelebte Vereinbarkeitskultur ein Wettbewerbsvorteil dabei ist. Nichtsdestotrotz: Es bleibt viel zu tun.

    Maßnahmen in Betrieben und Verwaltung sollen die gleichen Chancen für den langfristigen Erwerbsverlauf von Frauen und Männern ermöglichen. Das bedeutet: Die familiäre Fürsorge, die Beschäftigte leisten, muss mitgedacht werden.

    Deshalb sollte es auch Angebote für unterschiedliche Lebensphasen und Lebensereignisse der Beschäftigten geben. Dazu zählen beispielsweise Beratungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten  während der Eltern- und Pflegezeit oder begleitende Mentoringmaßnahmen für WiedereinsteigerInnen nach Auszeiten. Grundsätzlich wichtig ist auch hier, gemeinsam möglichst passende Arbeitsbedingungen zu entwickeln. Deshalb gilt es, gemeinsam mit den Eltern und Pflegenden den individuellen Betreuungs- und Unterstützungsbedarf herauszufinden.

  • Pflegende brauchen genauso Unterstützung wie Eltern

    Während sich bei den Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Beruf in den vergangenen Jahren schon vieles getan hat, schätzen Betroffene die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf als nach wie vor schwierig ein. Viele Beschäftigte leiden unter ungelösten Vereinbarkeitskonflikten: Sie fürchten mangelndes Verständnis der Vorgesetzten und berufliche Nachteile. Daher braucht es auch hier neben ganz praktischen Maßnahmen und Angeboten eine Unternehmenskultur, in der die Aufmerksamkeit für das Thema Pflege und die Bereitschaft zur Unterstützung genauso selbstverständlich sind wie bei Beschäftigten mit Kindern. Denn obwohl das Thema immer mehr Beschäftigte betrifft, sind die Betriebe noch lange nicht darauf eingestellt.

    Nur wenige Unternehmen haben spezifische personalpolitische Konzepte für pflegende Angehörige entwickelt. Auch hier spielen die Themen Flexibilisierung der Arbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Tele-Arbeit bzw. Homeoffice sowie individuelle Absprachen eine große Rolle.

  • Genauer hingeschaut: Kinderbetreuung während der Arbeitszeit

    Bei der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf geht es zentral um die Betreuung des Nachwuchses in der Zeit, in der die Eltern arbeiten – und dass Öffnungszeiten der Einrichtungen und Arbeitszeiten zusammenpassen. Viele Eltern kleiner Kinder haben sich längst selbst um eine Betreuung gekümmert und profitieren so eher von finanziellen Zuschüssen als von einer betriebseigenen Kita. Mitbedacht werden sollten in jedem Fall aber auch Angebote, die die Regelbetreuung ergänzen. Hierfür gibt es auch professionelle Familiendienstleister wie etwa pme familienservice. Zu nennen sind aber auch Träger von Kindertagesstätten und die Lokalen Bündnisse für Familie, die praktisch Unterstützung vor Ort leisten.

    Wichtig ist auch, dass es Regelungen gibt, wenn in der Familie ein Notfall auftritt: Abends brachte man sein Kind noch gesund ins Bett und morgens erwacht es mit Fieber – alle Eltern kennen das. Damit die Beschäftigten wichtige Aufgaben dennoch wahrnehmen können, ist der Einsatz einer Notfallbetreuung sinnvoll. Genau für solch kurzfristigen Bedarf ist ein Familienservice gerüstet und kann oft sehr schnell eine Betreuungsperson organisieren. Stellt der Betrieb allen Beschäftigten mit Betreuungsaufgaben ein Kontingent zur Verfügung, das sie direkt beim Familienservice abrufen können, nützt das allen Seiten. Die Kosten des Unternehmens für Kurzzeit-, Ferien- oder Notfallbetreuung sind abzugsfähige Betriebsausgaben.

    Geht es um die Gründung eines Betriebskindergartens, informieren Jugendämter über rechtliche Fragen zur Betriebsgenehmigung. Der „Förderlotse“, ein kurzer Online-Check des Förderprogramms „Betriebliche Kinderbetreuung“, unterstützt Unternehmen bei der Einschätzung, welche Angebote sich für ihren Betrieb eignen.

    Die Einrichtung einer betrieblichen Kinderbetreuung ist ein großes Projekt. Auf unserer Seite "Organisation von betrieblicher Kinderbetreuung" findet ihr / finden Sie hilfreiche Tools - z.B. zu Fragen der Finanzierung, Beschäftigtenbeteiligung zur Bedarfsanalyse oder grundlegende Tips zur Realisierung.

    12 Wochen Schulferien im Jahr – kaum jemand hat so viel Urlaub. Daher ist es eine besondere Herausforderung, hier die Betreuung sicherzustellen. Es bietet sich an, hierfür Angebote von Vereinen, Städten und Gemeinden oder den Kirchen einzuholen. Große Betriebe bieten ihrerseits Ferienfahrten für Mitarbeiterkinder an; hier sollten Kooperationsmöglichkeiten ausgelotet werden. Wie immer lohnt hier auch der Kontakt zu den lokalen Bündnissen für Familien.

    Durch die Kooperation zwischen Betrieben und Kommune an einem Standort oder in einer Region können Angebote gemeinsam entwickelt und gestemmt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist das „Servicebüro Beruf und Familie“ in Leuna, welches der Betriebsrat mitinitiiert hat. Getragen wird es von einem Bündnis aus Sozialpartnern, Betrieben, Kinderbetreuungseinrichtungen und vielen mehr. Es bietet den über 9.000 Beschäftigten am Chemiestandort Leuna kostenfrei Unterstützung bei Anfragen rund um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

    Möglich ist auch die Einrichtung eines Eltern-Kind-Büros. In einem solchen eigens dafür hergerichteten Raum gibt es einen Schreibtisch für das Elternteil und eine Spielecke und Schlafmöglichkeit für das Kind. So kann zumindest für einige Stunden die Betreuung von den Eltern selbst übernommen werden.

  • Und was kann der Betriebsrat tun?

    Interessenvertretungen spielen auch bei der Vereinbarkeit von Sorge- und Erwerbsarbeit eine wichtige Rolle. Zum einen geht es darum, das Thema im Betrieb sichtbar zu machen und darüber zu sprechen. Zum anderen sind sie selbst AnsprechpartnerInnen für die Beschäftigten. Mit Informationen, Beratung und Unterstützung bei der Entwicklung und Durchsetzung guter Regelungen für Kolleginnen und Kollegen können sie erheblich dazu beitragen, die Vereinbarkeit zu verbessern.

    Es gilt, mögliche Maßnahmen und Regelungen erst einmal ins Gespräch zu bringen und später darüber verbindliche Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber abzuschließen. Größere Gremien können einen eigenen Ausschuss bilden, der sich die Weiterentwicklung der Vereinbarkeit auf die Fahnen schreibt.

    Die BetriebsberaterInnen unseres Projekts „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten!“ bieten Personalrats- und Betriebsratsgremien – und in Sozialpartnerschaft getragenen „runden Tischen“ in Unternehmen und Verwaltungen, kostenfreie professionelle Prozessbegleitung auf Augenhöhe an.

Für Familien gibt es verschiedenste staatliche Unterstützungleistungen. Auf dem Familienportal des Bundesfamilienministeriums gibt es viele Informationen zu den einzelnen Möglichkeiten, z.B. zu Mutterschutz, Elterngeld, ElterngeldPlus oder Unterstützung von pflegenden Angehörigen.

Zum Thema Elternzeit, Elterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus hat das Projekt die Broschüre "El­tern­geld­Plus - wie funk­tio­nierts?! Hand­lungs­fel­der für Be­triebs- und Per­so­nal­rä­te" veröffentlicht - ein guter Wegweiser durch die neuen Regelungen seit 2015.

 

 

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