Deutscher Gewerkschaftsbund

30.03.2020

Vereinbarkeit statt Entgrenzung: Home Office bedarf konkreter Regelung

Home Office ist aktuell in aller Munde. Damit Arbeitnehmer/innen ausreichend geschützt sind, braucht es dringend verbindliche Regelungen. Aber welche Voraussetzungen sind notwendig, um in Home Office zu arbeiten? Worauf sollte bei der Umsetzung geachtet werden? Wir geben Tipps und beraten bei der Umsetzung.

Frau am Laptop

Unsplash.com / Jan Baborak

+++ AKTUELLE INFOS +++

Trotz Corona wieder ins Büro?

In vielen Betrieben wird diskutiert, wann Mitarbeiter/innen aus dem Homeoffice zurückkehren. Doch was dürfen Chefs von euch verlangen? Welche Schutzmaßnahmen müssen eingehalten werden? Hier informiert der DGB zum Thema.

Home Office und Corona

Viele Beschäftigte arbeiten aktuell von Zuhause. Doch welche Regeln gelten hier? Woran müssen sich Arbeitgeber/innen halten und welche Rechte haben Beschäftigte? Hier könnt ihr Euch zu aktuellen Fragen informieren.

Tipps für Eltern im Home Office

Kinderbetreuung und Home Office? Geht das überhaupt? Ja, sagt Luisa Hanke, Gründerin einer Unternehmens- und Elternberatung und gibt hier praktisch erprobte Tipps aus ihren Erfahrungen als alleinerziehende Mutter und selbstständig Tätige.

Achtung Baustelle!

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Mobiles Arbeiten oder Home Office?

Es ist wichtig, Home Office begrifflich vom Mobilen Arbeiten zu unterscheiden. Mobiles Arbeiten ist in digitalen Zeiten jederzeit und überall möglich, ob im Café um die Ecke oder zu Hause am Küchentisch, es gibt lediglich einen Arbeitsauftrag und ein mobiles Endgerät. Hier fehlt es an ausreichend rechtlicher Einbindung und damit auch an gesicherten Schutzrechten für Arbeitnehmer/innen.

Home Office ist dagegen nichts anderes als Teleheimarbeit und hier gelten weitreichende Rechte und Pflichten, ähnlich wie auch für das Arbeiten am Büroarbeitsplatz. Dies heißt jedoch nicht, dass Arbeitgeber/innen über die privaten Räume von Beschäftigten verfügen dürfen, indem sie Home Office anordnen – oder Schreibtische im Büro streichen können, um Platz zu sparen. Genauso wenig dürfen Beschäftigte selbst beschließen, in Home Office zu arbeiten. Auch für das Praktizieren von Home Office ist immer eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber/innen und Arbeitnehmer/innen notwendig. Ein generelles Recht auf Home Office gibt es nicht, auch nicht in Zeiten von Corona. Es können sich aber Ansprüche und Rechte aus Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen ergeben.

Home Office und Vereinbarkeit

In Deutschland gibt es immer noch eine starke Anwesenheitskultur, deshalb ist Home Office nach wie vor im Arbeitsalltag der meisten arbeitenden Menschen wenig relevant. Zugleich wünschen sich viele Beschäftigte eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Arbeit. Home Office kann hier ein Instrument sein, um diese Bedürfnisse besser zu erfüllen. Dabei muss es nicht immer gleich um ein „Entweder – Oder“ gehen. Home Office kann auch eine ergänzende und zeitlich limitierte Lösung darstellen. Der Wegfall von Fahrtzeiten, die Pause mit den Kindern im Park verbringen, eine selbstbestimmtere Einteilung von Arbeitszeiten und eine Entlastung der Umwelt, wenn das Auto zu Hause bleibt - es gibt viele Gründe, die Arbeiten von zuhause aus attraktiv und/oder sinnvoll machen. Gleichzeitig ermöglicht eine Vereinbarung zu Home Office ein schnelles und niedrigschwelliges Reagieren im Bedarfsfall – ob dies ein familiärer Notfall einzelner Kolleg/innen ist oder eine bundesweite Krise wie aktuell Corona. Home Office kann ein zentrales Angebot werden, um auf Möglichkeiten und Bedürfnisse von Beschäftigten reagieren zu können – und auch gezielt die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter/innen zu erhalten.

Schutz vor Entgrenzung

Beschäftigte müssen sich beim zuhause arbeiten anders abgrenzen und stärker selbst regulieren. Es bietet neue Freiheiten und mehr Souveränität im Umgang mit Zeit. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass genauso wie während der Arbeit an einem regulären Arbeitsplatz die Schutzrechte eingehalten werden, wie beispielsweise die gesetzlich vorgeschriebenen nächtlichen Ruhezeiten.

Beim Arbeiten am heimischen Schreibtisch vergrößert sich die Herausforderung einer klaren Grenzziehung zwischen Privatem und Beruflichem. Die Schwelle ist hier niedriger, über mobile Geräte ständig erreichbar zu sein und die Gefahr groß, Überstunden aufzubauen, die nicht sichtbar sind.

Nicht zu unterschätzen sind auch Folgen wie beispielsweise das Wegfallen der gewohnten Teambesprechungen und der kleine Austausch unter Kolleg/innen am Rande der Mittagspause. Studien zeigen außerdem, dass für Männer die Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, eher ein Karriereprivileg darstellt. Frauen wird von ihrem Arbeitgeber häufiger als Männern verwehrt, von zu Hause aus zu arbeiten, sie erfahren häufiger Nachteile und stehen schneller unter Generalverdacht, sich in dieser Zeit um Kinder und Haushalt zu kümmern statt konzentriert zu arbeiten. Das sind nur einige Beispiele für die Risiken von Home Office.

Es ist also aus vielen Gründen wichtig, betrieblich verbindliche Regelungen für alle zu schaffen, die ein von zuhause arbeiten im Sinne von guter Arbeit umsetzen und für Mitarbeiter/innen Entlastung, rechtssichere und gesunde Arbeitsbedingungen und Lösungen schaffen. Grundsätzlich sollten die betrieblichen und organisatorischen Rahmenbedingungen unter die Lupe genommen werden. Die Bedarfe der Kolleg/innen sind zu ermitteln, bevor es an die Ausgestaltung einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung geht!

Gestaltungsgrundsätze im Betrieb und in der Verwaltung

Wichtig ist, dass Home Office arbeitsvertraglich als reguläre Arbeitszeit definiert wird, die weder zusätzlich noch unentgeltlich geleistet wird und für alle Mitarbeiter/innen freiwillig ist. Auch das Aufnahmeverfahren in und das Rückkehrrecht aus dem Home Office sollte vertraglich definiert werden, da nicht selten ein „Nasenprinzip“, also (vermeintlich) willkürliche Entscheidungen, das Betriebsklima vergiftet. Kollektive Regelungen sind hierfür unverzichtbar.

Fixiert werden sollte, dass Arbeitnehmer/innen auch im Home Office nur zu bestimmten Zeiten erreichbar sein müssen. Hier haben Betriebs- und Personalräte umfassende Mitbestimmungsrechte. Neben diesen Regelungen zur Arbeitszeit sollten Arbeitnehmer/innen grundsätzlich ihre Arbeitszeit selbst dokumentieren.

Da Telearbeitsplätze den gleichen Status haben wie der Arbeitsplatz im Büro, müssen sie genauso abgenommen und eingerichtet sein. Dazu gehört auch, dass der PC oder Laptop von Arbeitgeber/innen gestellt wird. Und auch im Home Office muss der Datenschutz gewährleistet sein.

 

Was kann ich jetzt tun?

„Für alle gut“ statt „Nasenprinzip“? Ihr plant eine Betriebsvereinbarung zum Thema Home Office / Mobiles Arbeiten? Ihr wollt euch erstmal zum Thema informieren?

Wir sind für euch da, z.B. unter vereinbarkeit@dgb.de .
Wir finden gemeinsam heraus, was euch jetzt voranbringt.

Ein Blick hierhin zeigt euch, wie es gehen kann.


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