Deutscher Gewerkschaftsbund

Kreispolizeibehörde Paderborn

Arbeiten im Schichtdienst, häufig auch am Wochenende und außerhalb der Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen – das macht es für PolizeibeamtInnen schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen und schreckt potenzielle Nachwuchskräfte ab. Wie überall steigt auch hier für viele Beschäftigte der Zeitaufwand für die Pflege von Angehörigen. Was tun? Mit dieser Frage wandte sich die Kreispolizeibehörde Paderborn an den DGB und bat um Beratung. In kurzer Zeit konnten entscheidende Veränderungen angestoßen werden, was dem Elan der Beteiligten für eine Fortsetzung des Prozesses weiteren Schwung gab.

Laptop. Handy, Kalender, Stift und Kaffeetasse auf Schreibtisch

DGB/Elizabeth Crego/123rf.com

Die Steuerungsgruppe „AG Beruf & Familie“, bestehend aus Direktionsleitung, Personalabteilung, Personalrat, der Gleichstellungsbeauftragten und einer alleinerziehenden Mitarbeiterin, recherchierte in mehreren Dienststellen. Dabei identifizierte sie drei Hauptprobleme für die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben: Ein unflexibles Drei-Schicht-System, die geringe Planbarkeit der Arbeitszeiten und eine mit dem Schichtdienst inkompatible Teilzeitgestaltung. Zuerst formulierte die Steuerungsgruppe zwei zentrale Ziele: Gute Regelungen für Ferienzeiten und Notfallbetreuung sowie eine bessere Passfähigkeit von Teilzeitarbeit ins Schichtsystem. Um voranzukommen, holte die AG interessierte und betroffene Beschäftigte ins Boot: In einem Workshop wurden ihre Schwierigkeiten und Bedürfnisse differenziert erfasst. Danach war klar, dass es vier Handlungsfelder zu beackern gab:

  • Der starre Arbeitsbeginn und -schluss in den Dienststellen macht Menschen mit
    Familienpflichten das Leben schwer.
  • Es gibt zu wenige Betreuungsplätze für Kinder in der Stadt und Region. Außerdem
    passen die täglichen Öffnungszeiten der Kitas nicht zu den Arbeitszeiten der Eltern, und in
    den Ferien wird es ganz eng.
  • In der Behörde fehlen AnsprechpartnerInnen für solche Fragen, Betroffene sind mit den
    Problemen allein gelassen.
  • Während der Schwangerschaft fühlen sich viele Frauen „abgeschoben“, weil ihnen dann
    Verwaltungsarbeiten übertragen werden, die sie als bedeutungslos einstufen.
 Frauen am Besprechungstisch bei einem Workshop

DGB/Was verdient die Frau?

Klar wurde auch, dass die Leitungen der Dienststellen unterschiedlich mit den Interessen
und zeitlichen Engpässen der Beschäftigten umgingen und dass einige Vorgesetzte die
Probleme kaum wahrnahmen. Ein Workshop zielte deshalb darauf ab, alle Führungskräfte
zu sensibilisieren und sie über bereits bestehende Möglichkeiten und konkrete
Anwendungsbeispiele zu informieren. Bei der anschließenden Diskussion mit
Beschäftigten stellte sich heraus, dass es in einigen Fällen nicht am guten Willen der
Vorgesetzten mangelte, sondern auf Landesebene noch die Umsetzung einer EURichtlinie
fehlte. Beschlossen wurde, das Thema „Vereinbarkeit“ künftig regelmäßig auf die
Tagesordnung der Führungskräftetreffen zu setzen und direkte Kommunikations- und
Informationswege von und zu den Betroffenen einzuführen.
Darüber hinaus richtete die Kreispolizeibehörde Paderborn „familienfreundliche
Rotationsstellen“ mit flexiblen Arbeitszeiten ein. Die sollen KollegInnen besetzen, die
Kinder oder Pflegebedürftige betreuen. Beschäftigte mit längeren familiären Auszeiten
erhalten die Möglichkeit eines „Wiedereinstiegs auf Probe“ und können sich unter
bestimmten Voraussetzungen die Dienststelle dafür aussuchen.
Sämtliche Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, wurden in
einer Dienstanweisung zusammengefasst. Sie enthält auch Informationen über die
Möglichkeit alternierender Telearbeit. Genau wie bei der Vergabe der Rotationsstellen gibt
es auch hier jährlich eine Interessenabfrage, um die individuellen Bedürfnisse zu


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