Deutscher Gewerkschaftsbund

Mittelweserklinik Nienburg

Wenn in einem Unternehmen gespart werden soll, scheint eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen fast unausweichlich. Dass es Betriebsräten gelingen kann, auch in harten Zeiten die Vereinbarkeitssituation der Beschäftigten zu verbessern, belegt die Mittelweser Klinik Nienburg.

Schild Betriebsrat vor Hausnummer 9

DGB/Simone M. Neumann

Die Ausgangslage für eine familienfreundliche Gestaltung der Arbeit war schwierig: In dem
niedersächsischen Krankenhaus fand ein Umstrukturierungsprozess statt mit dem Ziel,
Kosten einzusparen; viele Beschäftigte waren verunsichert. Das hielt den Betriebsrat aber
nicht davon ab, einen Ideenfindungs- und Beratungsprozess anzustoßen, um die
Arbeitszeit für die 606 überwiegend weiblichen Beschäftigten besser zu gestalten.

Eine Schlüsselrolle nahm die seit langem existierende Arbeitsgruppe „Beruf und Familie“
ein, in der sich Beschäftigte aus verschiedenen Funktionsgruppen engagieren. Sie
entwickelte viele Ideen und Vorschläge für familienbewusste Maßnahmen, analysierten
aber auch die jeweiligen Hindernisse und Hürden. Klar wurde, dass sowohl bei Arbeitszeit
und -organisation als auch bei der Betriebskultur anzusetzen ist. Die Bedingungen für
Beschäftigte mit Fürsorgepflichten auf den unterschiedlichen Stationen unterscheiden sich
stark. Die Gruppe zog daraus den Schluss, dass es am erfolgversprechendsten sein
könnte, zunächst Lösungen für konkrete Arbeitszeitprobleme von Beschäftigten zu suchen
und daraus Hinweise für umfassende Lösungen abzuleiten.

So sah sich die Belegschaft einer Diagnostikabteilung immer wieder mit der Situation
konfrontiert, dass der Chefarzt Untersuchungstermine kurzfristig und außerhalb der
regulären Dienstzeiten ansetzte. Unter Beteiligung einer Kollegin aus der Abteilung
entwickelte die AG „Beruf und Familie“ ein System der verlässlichen Öffnungszeiten mit
zwei langen und drei kurzen Diensttagen. Der Chefarzt war von der Idee verlässlicher
Öffnungszeiten so begeistert, dass er selbst vorschlug, auf einen langen Dienst pro Woche
zu verzichten.

Erzieherin spielt mit Kindern

Colourbox

Auch die Organisation verlässlicher Kinderbetreuung kann berufstätige Eltern stark entlasten. Das Krankenhaus verhandelt derzeit mit dem Träger eines Kindergartens über die Einrichtung einer Gruppe mit erweiterten Öffnungszeiten. Sollte dies in absehbarer Zeit nicht zum Erfolg führen, wurde bereits ein Plan B entwickelt: Die Einrichtung eines Betriebskindergartens in Kooperation mit weiteren Unternehmen aus der unmittelbaren Umgebung. Sowohl das Gebäude als auch der externe Träger sind bereits gefunden; nun geht es darum, Förderquellen anzuzapfen. Darüber hinaus verfolgt das Krankenhaus den Plan einer Notfallbetreuung nach dem Vorbild des Kinderparadieses in einem großen Möbelhaus, wo Mädchen und Jungen unter Aufsicht für kurze Zeit spielen können. Ebenfalls als familienbewusste Maßnahme ist geplant, dass auch Kinder von Beschäftigten die Betriebskantine günstig nutzen können.

Darüber hinaus sollen Beschäftigte mit Familien- oder Fürsorgeaufgaben entlastet werden
durch ein Angebot haushaltsnaher Dienstleistungen. Sie bekommen die Möglichkeit,
Wäsche waschen oder ihre Wohnung reinigen zu lassen. Anbieter dieser Maßnahmen ist
ein externer Dienstleister, mit denen die Klinik bereits kooperiert. Auch andere Teile der
Belegschaft sollen die Angebote gegen Gebühren nutzen können. Für alle
familienfreundlichen Maßnahmen will der Betriebsrat auf einer Betriebsversammlung
werben.

Kreativität und Energie verschiedener Menschen wurden in der Mittelweser Klinik in
Nienburg gebündelt. Das brachte einen Prozess in Gang, der die Bedingungen für die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert. Gemeinsam wurden Stolpersteine
identifiziert und zur Seite geräumt. Wie hilfreich der Blick von außen dabei sein kann,
erfuhr die Arbeitsgruppe durch die Beratung von den Expertinnen und Experten des DGB,
die den Prozess durch fünf Workshops mit vorantrieben.


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