Deutscher Gewerkschaftsbund

Alleinerziehende im Betrieb

Viele Alleinerziehende müssen den Spagat zwischen Beruf und Familie allein hinkriegen. Das brennt aus. Betriebs- und Personalräte können für unterstützende Strukturen sorgen.

Gestern traf ich auf dem Klo eine alleinerziehende Kollegin aus der Planungsabteilung. Ihr Sohn besucht eine Kita, die Tochter geht in die zweite Klasse. Sie war in einer Stimmung zwischen verzweifelt und wütend. Schon wieder hatte ihre Vorgesetzte eine Sitzung um 16 Uhr angesetzt. „Ich habe keine Lust, ihr jedes Mal neu zu erklären, warum ich dann nicht mehr lange kann“, schnaufte sie. „Und dann muss ich mir immer wieder anhören, dass sie es ja früher auch allein geschafft hat“. Keine Frage: Die Vorgesetzte braucht dringend „Nachhilfe“. Und überhaupt, das Thema Unterstützung von Alleinerziehenden sollten wir ab sofort systematisch angehen.

  • Heute gibt es 1,4 Millionen Alleinerziehende in Deutschland. Das bedeutet: Hauptverantwortung für Einkommen, Kinderbetreuung und Haushalt liegen auf den Schultern eines einzelnen Menschen.
  • Wer Kinder allein groß zieht, hat jeden Tag eine Doppelschicht. Doch viele fürchten, bei der Arbeit als nicht ausreichend engagiert und „halbe Kraft“ abgestempelt zu werden.
  • Wo Flexibilität erwartet wird, ist der psychische Druck groß, bei Bedarf länger bleiben zu müssen.
  • Kitas und Hort haben feste Öffnungszeiten. Wer sein Kind zu spät abholt, bekommt Ärger und nicht selten mitleidige Blicke.
  • Mehrfachbelastung im Alltag, immer zu wenig Zeit und Geld für Erholung – das kann auf Dauer krank machen.
  • Viele Mütter gehen auf Teilzeit, obwohl sie gerne mehr arbeiten würden.
  • Gute Mutter und trotzdem Karriere? Für viele immer noch ein Widerspruch. Wer das alleine wuppt, sieht sich mit Vorurteilen konfrontiert
Was Betriebs- und Personalräte für Alleinerziehende tun können, damit sie Kinder und Beruf gut unter einen Hut kriegen:
 
  • Was Ein-Eltern-Familien brauchen, wissen sie selbst am besten. Verschafft euch einen Überblick und fragt sie.
  • Zuverlässige Arbeitszeiten reduzieren den Stress. Eine Schicht mit betreuungsfreundlichen Anfangs- und Endzeiten kann enorm entlasten.
  • Andere möchten am liebsten mobil arbeiten und die Arbeitsstunden frei einteilen. Um gute Lösungen zu finden ist es hilfreich, wenn Teams und die Abteilung mitdenken und -reden kann.
  • Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Vereinbarkeits-, Gleichstellungs- und Gesundheitsthemen mit euch zu erörtern. Vorschläge für Betriebs- oder Dienstvereinbarungen erleichtern die Sache.
  • Eine betriebsweite Arbeitsgruppe kümmert sich um das Thema und bindet die Kolleg*innen ein. Ein runder Tisch frei nach dem Motto: „Fachkräfte durch Familienfreundlichkeit finden und binden“ interessiert auch die Geschäftsführung.
  • Reservierte Plätze in der benachbarten Kita oder Ferienbetreuung mit anderen Unternehmen am Standort sind für Ein-Eltern-Familien besonders hilfreich.
  • Bei Weiterbildungen und Führungspositionen Alleinerziehende nicht vergessen.

 

Jetzt anpacken und Vereinbarkeit aktiv gestalten

Wir beraten euch als Gremium - ggfs. sogar gemeinsam mit eurem Arbeitgeber.

Unser Angebot ist kostenlos.