Deutscher Gewerkschaftsbund

Pflege ist schwer planbar – eine Dienstvereinbarung hilft: Kreisverwaltung Soest

Seit 2010 wird die Kreisverwaltung Soest regelmäßig als „familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet. Innovativ sind beispielsweise die Angebote für Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen, die in einem Beratungsprozess durch das DGB-Projekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten“ entwickelt wurden.

Eine Umfrage hatte ans Licht gebracht: Ein Drittel der Belegschaft ist betroffen – Tendenz steigend. Doch die Lebensbedingungen sind vielfältig. Manche Pflegenden brauchen morgens Flexibilität, andere müssen gelegentlich spontan weg, weil der Alarmknopf ausgelöst wurde. Wessen Eltern weit entfernt leben, der*die wünscht sich dagegen eher freie Tage rund ums Wochenende. Hinzu kommt, dass sich die Bedarfe im Laufe der Zeit und nicht selten auch spontan verändern.

Eine Dienstvereinbarung hilft

Die gemeinsame Einsicht: Starre „Wenn-dann-Regeln“ sind nicht hilfreich. Deshalb wurden in einer Dienstvereinbarung Verfahrensregeln festgeschrieben. So muss nicht jede*r einzeln dafür kämpfen. Dafür gibt es drei Stufen:

  1. Kleinere Veränderungen und Sofortmaßnahmen vereinbaren Beschäftigte direkt mit ihrer Führungskraft. Sofern dies aus versicherungstechnischen Gründen notwendig ist, wird die Personalabteilung informiert.
  2. Längerfristige Änderungen, wie alternierende Telearbeit oder die Befreiung von Wochenenddiensten, beantragen die Beschäftigten bei der Personalabteilung. Die entscheidet möglichst rasch und informiert die Vorgesetzten.
  3. Kommen die Beteiligten nicht zurecht, schaltet sich die sozialpartnerschaftlich besetzte „Kommission Pflege“ ein. Auch Gleichstellungsbeauftragte und Schwerbehindertenvertretung sind involviert. Das Gremium sucht nach einer einvernehmlichen Lösung, die sowohl der Pflegesituation als auch den dienstlichen Belangen gerecht wird.

Einheitliche Regeln

„Das läuft sehr gut, schätzungsweise 95 Prozent können auf der ersten Stufe geregelt werden“, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte Petra Nagel. Zur allseitigen Sicherheit wurde ein einfacher Vordruck entwickelt, den die Vorgesetzen und die Beschäftigten gemeinsam ausfüllen. Das Papier hilft beim Wechsel der Führungskraft.

Die Kommission Pflege musste noch nie einen strittigen Fall entscheiden. Nur ab und zu wird sie als Beratungsgremium angefragt. Manchmal kommt auch jemand direkt auf Petra Nagel oder ihre Kolleg*innen zu und will wissen, ob es zu bestimmten Konstellationen schon Erfahrungen in anderen Abteilungen gibt. So stärkt die Dienstvereinbarung die familienfreundliche Haltung in der Kreisverwaltung Soest weiter. „Sie passt gut zur Kultur hier bei uns“, fasst Nagel zusammen. Die etwa 1.500 Beschäftigten können sicher sein, dass Vereinbarkeitsfragen nicht ihr Privatproblem sind und ihnen geholfen wird. Das entlastet alle.

 

Eine ähnliche Vereinbarung könnte es auch bei dir im Betrieb oder in deiner Verwaltungsstelle geben! Gemeinsam schaffen wir Lösungen und mehr Vereinbarkeit vor Ort.
Wir beraten und coachen euch als Betriebs- und Personalräte. Unser Angebot ist kostenlos. Schreib uns für ein unverbindliches Erstgespräch!

Beratungsbedarf? Ruft uns an!

Gefördert durch