Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeitszeiten, die entlasten

„Familiengründung ist bei uns in den letzten Jahren ein großes Thema geworden – und damit die Vereinbarkeit“, berichtet Katerina Tahawokh, seit Frühjahr 2018 Betriebsrätin im Berliner Technikmuseum. Ganz klar für sie und ihre Kolleg/innen: Das Schichtsystem muss das berücksichtigen.

Wenige Jahre zuvor waren es noch überwiegend Studierende gewesen, die internationalen Gästen den Zuse-Computer erklärten oder Experimente anleiteten. Die Geschäftsführung hatte Besucherservice und Wachschutz outgesourct, auf Befristungen gesetzt und die Löhne gedrückt. Mit Streiks, Klagen und öffentliche Aktionen gelang es, Dauerarbeitsverträge und die Bindung an den Tarifvertrag der Länder durchzusetzen. „Unser Vorgänger-Betriebsrat hat einen guten Rahmen gezimmert - und so sind viele nach dem Studium geblieben“, erzählt Betriebsrat Christoph Pietsch.

Was braucht die bunte Belegschaft mit den vielen verschiedenen Teilzeitverträgen jetzt, was hat für die 160 Beschäftigten Priorität? fragte sich der neue Betriebsrat und wandte sich an das DGB-Projekt Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten! Schon wenig später trafen sich Geschäftsführung und Betriebsrat mit Svenja Pfahl zur ersten Sitzung. Der Beraterin war nach wenigen Minuten klar: Der Betriebsrat ist sehr motiviert, kennt seine Belegschaft gut. Auch Einstellung und Bedenken der Betriebsleitung fragte sie ab. „Ich hab das gerne am Anfang klar, damit es später nicht zu Blockaden kommt“, so Pfahl.

Im Zentrum zunächst: Welche Probleme soll das neue Schichtmodell lösen? Die Prozessbegleiterin half, geeignete Methoden und Fragestellungen für die Betriebsversammlungen zu finden. So wurde das Bild rasch schärfer: Die Kolleg/innen wollten kein neues Schichtmodell, sondern mehr Ausnahmeregelungen. Vor allem für Eltern war der Arbeitsbeginn um 8.45 Uhr oft kaum zu schaffen, 9 Uhr dagegen schien akzeptabel. Auch regelmäßig bis 17.30 bleiben zu müssen ist schwierig, wenn das Kind mal zum Arzt muss oder seinen ersten Theaterauftritt hat. Ab und zu um 15.30 Uhr Schluss machen und die Zeit nacharbeiten kristallisierte sich als Anliegen heraus.

Der Betriebsrat verglich Stoßzeiten und Mindestbesetzungen, sprach mit den Dienstplandisponenten und entwickelte schließlich den „Elternrhythmus"; der Späterkommen oder Frühergehen ermöglicht. Nur ein erster Schritt, betont Betriebsrätin Jenny Müller – auch die Pflege von Angehörigen werde ja immer wichtiger. „Es ist aber gut, mit einem begrenzten Thema anzufangen und später aufzusatteln“, fasst Christoph Pietsch eine Erkenntnis des Beratungsprozesses zusammen. Nun stehen Verhandlungen mit dem neuen Geschäftsführer über die Umsetzung an.

Mehr Flexibilität beim Schichtsystem: Das Jahr 2020 wird zeigen, wohin die Reise geht. Dass die Belegschaft des Technikmuseums schon Erfahrung hat, wie sie ihre Interessen durchsetzt, ist dabei sicher von Vorteil.


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