Deutscher Gewerkschaftsbund

Gemeinsam mit Beschäftigten gute Lösungen finden

Manche Pläne brauchen einen zweiten Anlauf. Dass das Thema Fachkräftemangel bald ein großes Thema werden würde, hat der Betriebsrat der Mittelweser Klinik Nienburg schon vor zehn Jahren erkannt. Auch der damaligen Geschäftsführerin waren die Zusammenhänge klar: Viele Frauen verlassen das Berufsfeld, weil die Bedingungen für Eltern nicht stimmen. „Da kam uns das Beratungsangebot vom DGB sehr gelegen: Wir wollten Tipps von Profis“, berichtet Izabela Dierks, inzwischen Betriebsratsvorsitzende.

„Wir haben damals zusammen einen ganzen Maßnahmenstrauß entwickelt“, erinnert sich Berater Stefan Reuyß. Gemeinsam mit Betriebsrat und Geschäftsleitung organisierte er mehrere Workshops. Die Belegschaft war hochmotiviert, lieferte Ideen und Anregungen. Klare Priorität hatte eine Kita, deren Öffnungszeiten mit den Schichtplänen des Krankenhauses kompatibel sind. Auch eine Notfallbetreuung sollte es dort geben. Ebenfalls auf den Wunschzettel kamen ein Wäsche- und Haushaltsservice für Mitarbeiter/innen, arbeitszeitkompatible Busfahrpläne und die Möglichkeit für Kinder, die Kantine der Klinik zu nutzen.

Darauf aufbauend recherchierten die Betriebsräte und sprachen auch mit Politiker/innen. Deren Reaktionen waren allerdings teilweise ernüchternd: Lange Kita-Öffnungszeiten passten nicht zum niedersächsischen Familienbild, ließen Kreistagsabgeordnete wissen - und im Übrigen gäbe es in Nienburg bereits ausreichend Kita-Plätze. Kurz danach wechselte auch noch die Geschäftsführung und der Konzern Helios übernahm das Krankenhaus. Der Arbeitsdruck wuchs, die Stimmung wurde immer schlechter, viele Beschäftigte reduzierten ihre Arbeitszeit oder kündigten ganz.

Inzwischen aber dreht sich der Wind wieder. Erneut wurde die Krankenhausleitung ausgewechselt - und die ist offen für eine Betriebsvereinbarung „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Auch Bürgermeister und Kommune haben verstanden, dass sie Pflegekräften und Ärzt/innen etwas bieten müssen, um sie nach Nienburg zu locken. „Ganz klar: Der Fachkräftemangel bewirkt ein Umdenken“ bilanziert Izabela Dierks – und freut sich, dass sie jetzt die gut ausgearbeiteten Vorschläge einfach aus der Schublade ziehen kann.


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