Deutscher Gewerkschaftsbund

Klare Regeln für Telearbeit

Immer wieder tauchten Beschäftigte der Osnabrücker Stadtverwaltung mit einem ähnlichen Anliegen im Personalratsbüro auf: Sie wollten gerne tageweise von zu Hause aus arbeiten – so wie Kollegin Müller oder Kollege Meier, die für ähnliche Tätigkeiten zuständig sind. Doch ihr eigener Vorgesetzter stellte sich quer. „Telearbeit ist bei uns völlig ungeregelt und wird nach dem Nasenprinzip entschieden“, berichtet Andrea Schröder. Das sei ungerecht und sorge für Unmut. Deshalb fassten sie und ihre Personalratskolleg/innen den Entschluss: Eine Dienstvereinbarung muss her.


In der Chefetage konnte niemand Auskunft geben, wie viele Menschen in der Osnabrücker Stadtverwaltung zeitweise von zu Hause aus arbeiten oder sich gelegentlich mit ihrem Laptop ins Café zurückziehen. Auch sonst verfransten sich die Personalrät/innen in einer Vielfalt von Fragen. Wie gut, dass eine von ihnen auf einem Kongress Brigitte Dinkelaker vom DGB kennengelernt hatte, die genau für solche Situationen Beratungen anbietet. Ein Jahr lang begleitete sie die elfköpfige Gruppe, in der alle Fachbereiche und auch die Eigenbetriebe vertreten waren. „Sie hat uns geholfen, den Prozess zu strukturieren und
uns nicht an Einzelheiten festzubeißen“, berichtet Andrea Schröder.

Beraterin Dinkelaker versorgte die Kolleg/innen zunächst mit Grundsatzinformationen und Zeitungsartikeln zum Thema Homeoffice und mobile Arbeit. Schnell war klar, dass das Thema viele Aspekte hat und auch Risiken birgt. Die Arbeitsgruppe entschied, sich auf die Regelung von alternierender Telearbeit zu fokussieren – also auf Beschäftigte, die einen Schreibtisch sowohl im Büro als auch in ihrer Wohnung haben.

Ein zentrales Thema war die Einrichtung einer Kommission nach dem Vorbild einer Einigungsstelle – sozialpartnerschaftlich besetzt und mit klaren Verfahrensabläufen. Vieles war zu diskutieren: Ist das Gremium für alle oder nur die strittigen Fälle zuständig? Wie soll das Antragsverfahren ablaufen und was sind die Prüfkriterien? Die Arbeitsgruppe lud eine Datenschützerin ein, studierte Dienstvereinbarungen aus anderen Verwaltungen und erkundigte sich, wie dort mit Arbeitsschutzfragen umgegangen wird. Zwischen den Sitzungen recherchierten Gruppenmitglieder weitere Aspekte wie beispielsweise die Vorgaben der Unfallversicherung. Die lässt zwar Homeoffice grundsätzlich zu, verlangt aber, dass Schreibtisch, Bildschirm und Beleuchtung ergonomisch okay sind. In Osnabrück soll eine Delegation aus Sicherheitsfachkraft, Personalrat und Vorgesetztem vor Ort nachschauen.

Auch für die Bearbeitung von Dokumenten mit personenbezogenen Daten schlägt die Arbeitsgruppe eine Lösung vor: Papierakten dürfen grundsätzlich nicht mit nach Hause genommen werden, sensible Vorgänge sind ausschließlich im Büro zu bearbeiten. Weil die vorgeschlagene Dienstvereinbarung aber sowieso davon ausgeht, dass maximal 40 Prozent der Arbeitszeit in den eigenen vier Wänden stattfindet, ist das nicht schwer zu organisieren.

Als relativ unproblematisch schätzte das Gremium die Finanzierungsfrage ein: Die Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes schlägt heute nur noch mit maximal 500 Euro zu Buche. Damit die Arbeitszeit auch im Homeoffice begrenzt bleibt, soll die Einwahl ins
städtische Netz nach 20 Uhr technisch ausgeschlossen sein.

Fünf Sitzungen dauerte es – dann waren alle Aspekte abgearbeitet und der Entwurf für eine Dienstvereinbarung lag vor. „Ohne Brigittes Moderation würden wir wahrscheinlich heute noch diskutieren“, meint Andrea Schröder.


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