Deutscher Gewerkschaftsbund

Pflege ist schwer planbar

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf stand im Mittelpunkt der Beratung bei der Kreisverwaltung in Soest. Für die damals rund 1.100 Beschäftigten sollten Maßnahmen entwickelt werden, die helfen deren private Pflegeverantwortung und die Erfordernisse des beruflichen Alltags in Einklang zu bringen.


Schon seit Jahren setzt sich die Verwaltung des Kreises durch verschiedenste Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie dafür ein, ein familienfreundliches Umfeld zu schaffen. Ein Zeichen dafür ist die Verleihung des Zertifikates „Familienfreundliches Unternehmen im Kreis Soest“ ab dem Jahr 2010. Ein hohes Maß an Selbstbestimmung bei den Arbeitszeiten und der Arbeitsorganisation, über 50 verschiedene Teilzeitmodelle sowie ein umfassendes Konzept für das Vorgehen bei Elternzeit und Wiedereinstieg waren u. a. für die Verleihungen ausschlaggebend. Um auch der zunehmend größeren Zahl der Beschäftigten mit privaten Pflegeaufgaben entgegen zu kommen, gründete sich Anfang 2011 eine Arbeitsgruppe. Diese bestand aus Vertreter/innen des Personalrats, des Personaldienstes, der Sozialplanung, der Schwerbehindertenvertretung sowie der Gleichstellungsbeauftragten und mehreren Betroffenen. Die Arbeitsgruppe initiierte eine Umfrage unter allen Beschäftigten.

An dieser Stelle kamen auf Initiative des Personalrates die Expert/innen des DGB ins Spiel. Berater Stefan Reuyß vom DGB-Projekt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten!" hörte erst einmal allen Beteiligten zu - dann schlug er vor, zusätzlich zur Umfrage auch Workshops für die gesamte mittlere Führungsebene zu organisieren.

Die Beschäftigtenbefragung und die Führungskräfteworkshops machten deutlich, dass bereits ein Drittel der Belegschaft Angehörige pflegte oder betreute. Die Lebensbedingungen der Betroffenen sind vielfältig und oft komplex. Manche Pflegenden brauchen morgens Flexibilität, andere müssen gelegentlich spontan weg, weil der Alarmknopf ausgelöst wurde. Wessen Eltern weit entfernt in einem Heim leben, wünscht sich dagegen eher freie Tage rund ums Wochenende. Hinzu kommt, dass sich die Bedarfe im Laufe der Zeit und nicht selten auch spontan verändern.

In einer solchen Gemengelage sind starre Wenn-dann-Regeln nicht hilfreich, war der gemeinsame Erkenntnisprozess. Deshalb kamen Personalrat, Gleichstellungsbeauftragte und Leitung der Kreisverwaltung Soest zu dem Schluss, die Dienstvereinbarung kurz zu halten und dort lediglich Verfahrensregeln festzuschreiben. Dafür gibt es jetzt drei Stufen:

  • Kleinere Veränderungen und Sofortmaßnahmen vereinbaren Beschäftigte direkt mit ihrer Führungskraft. Sofern dies aus  versicherungstechnischen Gründen notwendig ist, wird die Personalabteilung informiert.
  • Längerfristige Änderungen wie alternierende Telearbeit oder die Befreiung von Wochenenddiensten beantragen die Beschäftigten bei der Personalabteilung. Die entscheidet möglichst rasch und informiert die Vorgesetzten.
  • Finden die Beteiligten keine gemeinsame Lösung, schaltet sich die interne „Betriebliche Kommission Pflege“ ein.

In der Folgezeit waren die Gleichstellungsbeauftragte und Personalratsvorsitzende gefragte Referent*innen zum Thema Beruf und Pflege. In vielen Betrieben wird die Pflege von Angehörigen ein immer wichtigeres Thema in den Belegschaften. Wie stark die Regelung im eigenen Haus genutzt wird, möchten die Beteiligten evaluieren. Deshalb hat der Personalrat Stefan Reuyß erneut eingeladen. Gemeinsam will man nun herausfinden, ob es eine Auffrischung zum Thema braucht.


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